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Low-Code-ERP für effizienten Multi-Channel-E-Commerce 

18.01.2026 ERP, Unternehmenssoftware

Viele Händler haben zwei Systeme, die beide „laufen“. Der Shop verkauft. Das ERP oder die Warenwirtschaft verwaltet. Und trotzdem entstehen jeden Tag manuelle Korrekturen. Bestellungen müssen nachbearbeitet werden. Lagerbestände passen nicht. Doppelbuchungen und Fehlbestände sind keine Seltenheit.

Dazu kommt ein zweites Thema, das oft unterschätzt wird: Produktdaten. Kunden erwarten mehr als Artikelnummer, Preis und Bestand. Wer das über mehrere Kanäle spielt, landet schnell bei doppelter Pflege. Oder bei einem zusätzlichen PIM-System (Product Information Management).

Dieser Beitrag zeigt typische Ursachen und einen praktikablen Lösungsweg. Low-Code ist dabei ein Ansatz. Es ist nicht automatisch die beste Wahl – aber für viele Händler ein realistischer Hebel.


Wo es in der Praxis klemmt 

Der Irrglaube des einfachen Bestellimports 

Viele Integrationen enden bei „Bestellung aus dem Shop ins ERP“. Das hilft, aber es automatisiert noch keinen Prozess von Ende zu Ende. Für echte Automatisierung braucht es die Synchronisation in beide Richtungen – und zwar in Echtzeit. Dazu gehören Stammdaten, Preise, Bestände, Status, Zahlungsarten, Versanddaten und Rückabwicklung. Auch Studien beschreiben genau diese Lücke. Wenn ERP und E-Commerce getrennt sind, bedarf es zusätzlicher Tools und mehr manueller Arbeit, weil automatisierte Integrationsprozesse fehlen.


Zwei Systeme, zwei Datenmodelle

Shop und ERP „sprechen“ oft nicht dieselbe Sprache. Felder, Formate und Logiken passen nicht zusammen. Dann werden Daten unvollständig übertragen oder falsch zugeordnet. Das führt zu Workarounds. Manche Händler nutzen dafür noch Import und Export über Tabellen.

Unklare Datenhoheit

Sobald zwei Systeme Artikel verwalten können, kommt die Frage: Wer ist führend? Vielfach ist nicht eindeutig geklärt, welche der Einzellösungen die Verantwortung hat. Wer schreibt z.B. die Rechnung an den Kunden, wenn eine Bestellung erfolgt ist? Das Shopsystem oder das ERP-System? Naheliegend wäre das Shopsystem, klüger wäre das ERP, weil es Zahlungseingänge prüfen und Zahlungsmethoden verwalten kann und weil es die Lagerbestände und Lieferzeiten kennt. Ohne klare Datenhoheit entsteht doppelte Pflege. Und damit Inkonsistenz.


Warum Produktdaten ein echtes Umsatzthema sind

Produktinformationen sind kein „Marketing-Beiwerk“. Sie wirken direkt auf Kauf und Retouren. Im Salsify Consumer Research Report 2025 sagen mehr als die Hälfte (54 %) der Befragten, dass sie einen Kauf wegen inkonsistenter oder schlechter Produktinformationen abgebrochen haben. Ein ähnlich hoher Anteil nennt unvollständige oder schlecht geschriebene Titel und Beschreibungen als Grund.

Und Produktrecherche passiert nicht nur vor einem Onlinekauf. Eine aktuelle ECC Köln Studie mit 1.009 Befragten zeigt, dass Käufer auch vor stationären Käufen häufig online über klassische oder KI-gestützte Suchmaschinen und Social Media auf Produkte stoßen.

Heißt praktisch: Wer Inhalte und Daten nicht sauber im Griff hat, verliert Sichtbarkeit und Vertrauen. Dann wird „Multichannel“ schnell zum Datenproblem.

PIM: sinnvoll, aber nicht kostenlos

Wer als Händler viele Produkte mit komplexen Informationen hat, diese über viele Kanäle (Online-Shop, Print, Marktplätze) vertreibt, international tätig ist und Effizienzgewinne sowie eine konsistente Produktdarstellung über alle Touchpoints hinweg benötigt, nutzt in der Regel ein PIM-System, um Datenchaos zu vermeiden und die Zusammenarbeit zu verbessern.

Ein PIM kann Ordnung schaffen. Es kann – wie eine wissenschaftliche Fallstudie zur Einführung eines PIM-Systems zeigt - aber auch neue Reibung erzeugen, wenn es als drittes System neben Shop und ERP eingeführt wird. Dann beginnt die Arbeit oft nicht bei der Technik, sondern bei den Grundlagen. Wer liefert welche Produktdaten? Wer darf sie ändern? Wo liegt die „Wahrheit“ für Texte, Bilder, Attribute, Kategorien und Varianten?

Wenn diese Fragen nicht früh geklärt sind, stimmen Teams sich schwer ab. Einkauf, Marketing und IT meinen oft unterschiedliche Dinge, obwohl alle über Produktdaten sprechen. In solchen Situationen entstehen schnell Ausweichlösungen. Zum Beispiel Excel-Listen oder lokale Dateien. Dann hat man am Ende nicht eine saubere Quelle, sondern mehrere. Das macht Integration und Pflege auf Dauer aufwendiger.

Das ist kein Argument gegen PIM. Es ist ein Hinweis auf Aufwand. Ein zusätzliches System löst nicht automatisch das Grundproblem. Es verschiebt es oft in Richtung Datenmodell, Zuständigkeiten, Workflows und Schnittstellen.


Besser: Produktinformationen in den Händen des ERP

Optimaler wäre es, auf ein PIM ganz zu verzichten und stattdessen die Produktinformationen im ERP-System zu speichern und zu verwalten. Dann sind die Voraussetzungen für eine 100-prozentige Integration von Webshop und ERP geschaffen, weil ALLE Daten vollkommen synchron gehalten werden können und die durchgängige Automatisierung vom Shop bis zum Lager möglich wird. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass das eingesetzte ERP-System die komplexe Verwaltung der unterschiedlichen Produktinformationen beherrscht.
Hier kommt die nächste Herausforderung auf den Händler zu. Viele Standard-ERP-Systeme beherrschen ebendas nicht. Dann sind teure Anpassungen durch Programmierer notwendig, um das ERP auf die Bedürfnisse des Händlers zu „customizen“. Gleiches gilt für Nicht-Standard-Prozesse und Sonderfälle.

Praxisbeispiel: Obstbaron

Der Obstbaron ist ein deutschlandweiter Lieferant von frischen und individuell zusammengestellten Obst- und Gemüsekörben für kleine, mittlere und große Unternehmen jeglicher Branchen. Über ein Franchise-System werden heute von 5 Standorten aus 15 Städte direkt versorgt, das gesamte Bundesgebiet per Versand. Insgesamt werden aktuell über 900 Unternehmen mit einem Abo regelmäßig beliefert. Die Bestellung läuft hauptsächlich über den Webshop ab, wo sich die Kunden zwischen Standard-Obst- oder/und Gemüsekörben oder einer selbst zusammengestellten Konfiguration entscheiden können.

Der Handel mit frischen Lebensmitteln stellt immer eine besondere Herausforderung dar, die durch ein ERP-System abgebildet werden muss. So kommt es vor, dass bestimmte Obstsorten aufgrund von saisonalen Einkaufsengpässen oder Qualitätsproblemen nicht verfügbar sind und die Konfigurationen und Abonnements vorübergehend angepasst werden müssen.

Die größte Herausforderung ist aber die abonnementbasierte, regelmäßige Lieferung. Wird ein Korb wöchentlich an einem Donnerstag geliefert und ist der Donnerstag ein Feiertag, dann müsste im Grunde mittwochs oder freitags geliefert werden. Oft sind die Tage nach den Feiertagen aber Brückentage. Es ist also kaum jemand im Büro. Von diesen Sonderfällen und Szenarien gibt es viele. Eine Standardsoftware kann solche Sonderfälle nicht oder nur mit sehr viel Aufwand korrekt abbilden.

Die Alternative: ein ERP auf Basis von Low-Code

Dort, wo Standard-Software an ihre Grenzen stößt, übernimmt die moderne Methode der Softwareentwicklung: Low-Code.

Die Low-Code-Entwicklung propagiert das Erzeugen von Anwendungen nahezu ohne handgeschriebenen Programmcode durch einfaches Zusammenklicken vorgefertigter Softwarebausteine. „Konfigurieren statt programmieren“ lautet die zugrunde liegende Idee. Möglich wird dies durch Low-Code-Plattformen. 

Dabei bezieht sich das „low“ nicht auf die Qualität des finalen Programmcodes, sondern auf die Code-Erstellung. Im Low-Code-Development werden Applikationen mithilfe einer grafischen Benutzeroberfläche aus fertigen Software-Bausteinen in der Cloud „zusammengesteckt“. Business-Applikationen wie ERP-Systeme werden im Unternehmen nach einer Art Baukastenprinzip vollständig ohne oder mit nur wenig Programmieraufwand zu einer maßgeschneiderten Lösung „konfiguriert“. Der Anteil manueller Code-Entwicklung ist im Vergleich zur konfigurierten Code-Menge gering, also „low“. Dieser Ansatz reduziert den Aufwand und die Kosten bei Planung, Entwicklung und Rollout erheblich.

Was aber viel wesentlicher ist: Der Ansatz nutzt fertige Bausteine, die grundsätzlich in jeder ERP-Lösung wiederkehren und die zu einem Grundsystem „zusammengesteckt“ werden. Damit lassen sich bis zu 90% der Prozesse eines jeden Onlinehändlers bereits abbilden. Die restlichen 10% (im Durchschnitt) werden dann von Mitarbeitern des Händlers und ERP-Experten individuell konfiguriert, sodass JEDER Prozess zu 100% umgesetzt werden kann.

Eine solche Low-Code-Plattform verhalf auch dem Obstbaron zu einer neuen, maßgeschneiderten ERP-Lösung aus der Cloud.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein Low-Code ERP bringt nicht automatisch bessere Prozesse. Es bringt vor allem mehr Gestaltungsfreiheit im ERP selbst.

Genau wie die Standard-Systeme stellt es alle wichtigen Prozesse standardmäßig bereit. Es ist aber durch seine Modularität optimal auf die Bedürfnisse des Händlers anpassbar, indem ERP-Experten (keine Programmierer) mit viel Prozess-Know-how einfache und komplexe Prozesse per „Drag & Drop-Methode“ zusammensetzen. Diverse Schnittstellen zu Zahlungs- und Logistikdienstleistern sowie anderen Softwarelösungen und Hardware sind standardmäßig an Bord.

Wenn alle Daten vorhanden sind und die Systeme sich verstehen, können die ERP-Experten gemeinsam mit dem Händler viele Routineprozesse automatisieren. Dabei wird z.B. auch die Zahlungsmethode berücksichtigt. Kreditkarte und Paypal bedeuten „Auftrag bezahlt, sofort bearbeiten“, Bankeinzug oder Vorkasse bedeuten „Auftrag on hold legen, Geldeingang abwarten“. Die Bestellung muss dann nur von einer Person im Lager manuell bearbeitet werden – bei der Kommissionierung.

KI-Funktionen erweitern das Potenzial zusätzlich. KI kann bei der automatisierten Rechnungsverarbeitung eingesetzt werden, indem sie relevante Informationen erkennt und an den Workflow zur Genehmigung und Zahlung übergibt. Heute werden KI-Systeme bereits bei der Erkennung und Verarbeitung von Bestellungen per Sprachnachricht oder Supportanfragen per Chat eingesetzt. Intelligente Algorithmen erkennen Inhalte, klassifizieren Anliegen und leiten sie an die richtigen ERP-Prozesse weiter. Das bedeutet: Bestellungen, Reklamationen oder Anfragen landen automatisiert im System – ohne manuelles Eingreifen.

Typische Vorteile im Handelskontext

  • Prozesse lassen sich modular aufbauen. Auch komplexe Abläufe können ERP-Experten mit Prozess Know-how konfigurieren.
  • Schnittstellen und Sonderfälle werden Teil des Prozessdesigns. Nicht nur „Daten rüberschieben“. Sonderlogiken wie Zahlungsarten, Hold-Regeln oder Versandvarianten können direkt im Workflow liegen.
  • Zentrale Datenhaltung wird realistischer. Produktdaten für Kanäle können im ERP geführt werden. Dann muss nicht zwingend ein zusätzliches PIM-System eingeführt werden, wenn Umfang und Organisation dazu passen.

Das adressiert genau die Stellen, an denen viele Projekte hängen bleiben: Customizing, Datenhoheit und End-to-End Automatisierung.

Low-Code ist kein Freifahrtschein

Ein kritischer Blick lohnt sich. Low-Code kann auch scheitern.

Die typischen Risiken bei der Nutzung eines Low-Code-ERP sind:

  • Wildwuchs bei Anpassungen. Wenn jeder schnell etwas „klickt“, entstehen Varianten statt Standards. Governance ist Pflicht.
  • Abhängigkeit von Plattform und Partner. Wer konfiguriert, muss es auch später verstehen und warten können.
  • Prozessarbeit bleibt Arbeit. Ohne klare Verantwortlichkeiten und saubere Daten wird auch ein flexibles ERP nicht „automatisch richtig“.

Und manchmal ist Standardsoftware die bessere Wahl. Zum Beispiel, wenn Prozesse wirklich nah am Standard sind. Oder wenn das Team bewusst wenige Anpassungen will.

Ein pragmatischer Weg zur besseren Shop-ERP-Integration

Wenn Sie das Thema strukturiert angehen wollen, helfen diese Schritte:

  1. Zielbild definieren. Was soll 100-prozentig automatisch laufen? Und was bewusst nicht?
  1. System of Record festlegen. Für Artikel, Preise, Bestände, Content, Kundendaten.
  1. Datenmodell und Sonderfälle zuerst klären. Nicht erst beim Test.
  1. Klein starten. Ein stabiler Kernprozess. Dann ausbauen. Das senkt Risiko und hält die Komplexität im Griff.
  1. Monitoring und Tests einplanen. Je enger integriert, desto schneller verbreiten sich Fehler.

Fazit

Händler brauchen heute mehr als einen Bestellimport. Sie brauchen durchgängige Prozesse und klare Datenhoheit. Produktdaten sind dabei kein Nebenthema. Sie sind kaufentscheidend.

Ein Low-Code-ERP kann hier viel erleichtern. Vor allem, wenn das Standard-ERP an individuellen Abläufen scheitert. Oder wenn ein zusätzliches PIM-System mehr Komplexität bringt als Nutzen.

Es ist nicht für jeden Händler die beste Option. Für viele ist es aber ein sinnvoller Weg zu weniger manueller Arbeit, konsistenteren Daten und besserer Automatisierung.

Udo Hensen Udo Hensen

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